Leben
mit Typ-2-
Diabetes

Mann und Frau wandern

Auch kleine Schritte führen zum Erfolg

Bei Typ-2-Diabetes muss selten sofort Insulin gespritzt werden. Mit einer Veränderung Ihrer Lebensgewohnheiten können Sie bei rechtzeitiger Diagnose viel zum Erfolg Ihrer Diabetestherapie beitragen. 

Hier finden Sie einige Vorschläge für Änderungen Ihrer Lebensweise, die Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt möglicherweise empfiehlt:

Diabetesgerechte Ernährung

Diabetesgerechte Ernährung

Eine diabetesgerechte Ernährung ist gesund, ausgewogen, bunt und vielfältig

Regelmäßige Bewegung

Regelmäßige Bewegung

Bewegung kann dabei helfen, die Erkrankung im Griff zu behalten, und sich auch positiv auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken

Reduktion von Stress

Reduktion von Stress

Dauerhafter Stress im Alltag kann den Blutzuckerspiegel negativ beeinflussen. Entspannungsübungen, Meditation oder Atemtechniken können dabei helfen, den Stress abzubauen.

Reduktion des Körpergewichts

Reduktion des Körpergewichts

Eine diabetesgerechte Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf können dabei helfen, das Körpergewicht zu reduzieren

Ausreichend Schlaf

Ausreichend Schlaf

Eine Schlafroutine kann hilfreich sein, um Typ-2-Diabetes-bedingte Schlafstörungen zu verringern

Bewegung und sportliche Aktivitäten können dabei helfen, Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Jede körperliche Aktivität führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Dies wirkt sich also auch positiv bei Menschen aus, die bereits an Diabetes erkrankt sind. Versuchen Sie, Bewegung in Ihren Alltag zu integrieren, und setzen Sie sich kleine Ziele, um die Dauer und Häufigkeit Ihrer Aktivität nach und nach zu steigern.

So können Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag integrieren:

  • Statt mit dem Auto mit dem Fahrrad fahren

  • In der Mittagspause spazieren gehen

  • Statt des Aufzugs die Treppe nehmen

  • Eine Station früher aus Bus oder Bahn aussteigen und zu Fuß gehen

  • Musik anmachen und dazu tanzen

  • Haushaltstätigkeiten übernehmen wie beispielsweise Staubsaugen und Rasenmähen

Die richtige Bewegungs- oder Sportart bei Diabetes gibt es nicht. Wichtig ist, dass Sie Spaß daran haben, sodass es Ihnen leichter fällt, regelmäßige Bewegung fest in Ihr Leben einzuplanen.

Das Gesundheitstagebuch

Bei Typ-2-Diabetes ist es wichtig, seinen Gesundheitszustand im Blick zu behalten. Nur so kann eine Verschlechterung des Diabetes oder die Entstehung von Folgeerkrankungen wie eine chronische Nierenerkrankung oder Herzschwäche frühzeitig erkannt werden. Ein Gesundheitstagebuch kann dabei helfen, die Blutzucker-Messwerte im Blick zu behalten, und kann auch genutzt werden, um die Ergebnisse aus den viertel- bzw. halbjährlichen Untersuchungen einzutragen. So trägt ein Gesundheitstagebuch möglicherweise dazu bei, die Versorgung im Rahmen Ihrer Typ-2-Diabetes-Therapie zu verbessern, und ist zudem ein nützlicher Begleiter im Austausch mit Angehörigen, Diabetesberaterinnen oder Diabetesberatern, Fachärztinnen und Fachärzten sowie anderen Betroffenen.

Gesundheitstagebuch Typ-2-Diabetes hier herunterladen

Ernährung

Eine diabetesgerechte Ernährung ist gesund, ausgewogen, bunt und vielfältig. Dabei geht es nicht um Verzicht oder eine bestimmte Diät, sondern um einen bewussten Umgang mit den Nahrungsmitteln. Dafür sollten Sie die Auswirkungen der einzelnen Nährstoffe auf den Körper kennen:

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind der Treibstoff Ihres Körpers. Sie bestehen aus einzelnen Zuckerbausteinen, die den Blutzuckerspiegel nach dem Essen ansteigen lassen. Kohlenhydrate werden in langkettige und kurzkettige Kohlenhydrate eingeteilt.

Langkettige Kohlenhydrate, die Ihren Blutzucker nur langsam ansteigen lassen, sind enthalten in:

  • Vollkornprodukten, Reis

  • Haferflocken

  • Hülsenfrüchten

Kurzkettige Kohlenhydrate, die Ihren Blutzucker schnell ansteigen lassen, sind enthalten in:

  • Weißbrot

  • Süßigkeiten

  • Limonaden

Fett

Fett ist nicht gleich Fett. Es gibt ungesättigte Fette, die sich positiv auf den Körper auswirken, und gesättigte Fette sowie Trans-Fettsäuren, die sich eher negativ auf den Körper auswirken.

Fettarme Lebensmittel:

  • Alle Obst- und Gemüsesorten

Lebensmittel mit vielen ungesättigten Fettsäuren:

  • Olivenöl, Rapsöl, Distelöl, Walnussöl

  • Nüsse

Lebensmittel mit mäßigem Fettgehalt:

  • Milch, Joghurt, Quark

Fettreiche Lebensmittel mit gesättigten und Trans-Fettsäuren:

  • Butter, Sahne, Käse

  • Wurst, Speck, Fleisch

  • Schmalz

Eiweiße

Eiweiße (auch Proteine genannt) bilden wichtige Bausteine für Ihren Körper. Sie werden für den Bau und die Aufrechterhaltung Ihrer Zellen, Muskeln und Gewebe benötigt und sind auch Ausgangsstoffe vieler Hormone.

Reich an pflanzlichem Eiweiß sind:

  • Bohnen, Erbsen

  • Mais, Spinat, Soja

Reich an tierischem Eiweiß sind:

  • Fettarme Fleischsorten

  • Fettarme Milch und Milchprodukte

Reich an tierischem Eiweiß und Fett sind:

  • Fetthaltige Fleisch- und Wurstwaren

Ballaststoffe

Ballaststoffe sind weitgehend unverdauliche Kohlenhydrate. Sie haben zwei gute Eigenschaften: Erstens machen sie schneller und länger satt und zweitens können sie Blutzuckerspitzen (besonders hohe Blutzuckerspiegel) verhindern.

Beispiele für ballaststoffreiche Lebensmittel:

  • Hülsenfrüchte

  • Äpfel

  • Haferflocken

  • Kohlgemüse

  • Karotten

  • Getrocknete Pflaumen

  • Vollkornprodukte

  • Mandeln

Der Glykämische Index (GI) ist ein Maß dafür, wie schnell und wie stark ein Lebensmittel den Blutzucker ansteigen lässt. Je höher der GI, desto schneller steigt der Blutzuckerwert nach der Mahlzeit an. Beispiele für Lebensmittel:

Niedriger Glykämische Index

Niedriger GI:

  • Brokkoli, Zucchini, ungekochte Karotten

  • Kirschen, Mandarinen, Pfirsiche, Äpfel, Orangen

  • Hülsenfrüchte

  • Joghurt, Milch

Mittlerer Glykämische Index

Mittlerer GI:

  • Ananas, Kiwi

  • Mais, Rote Beete

  • Vollkornbrot

  • Vollkornnudeln

  • Basmatireis

Hoher Glykämischer Index

Hoher GI:

  • Wassermelone, getrocknete Datteln

  • Kürbis, Pastinake, gebackene Kartoffeln

  • Weißbrot

  • Spaghetti

Achtung bei Unterzuckerung!
Um sich gegen diese Nebenwirkung mancher Diabetesmedikamente – vor allem Insulin oder Sulfonylharnstoff – zu wappnen, tragen Sie immer Traubenzucker bei sich!

Essen Sie häufiger Gemüse als Obst!
Bei Obst sollten Sie auf ganz süße Obstsorten, wie z. B. Bananen, lieber verzichten.

Achtung beim Verzehr von Grapefruit!
Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind möglich. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was Sie hierbei beachten sollten.

Lassen Sie sich von neuen Rezepten inspirieren

Was sollten Sie bei Getränken beachten?

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für den Körper lebensnotwendig. So sollte man in der Regel täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit trinken. Dies trifft aber nicht auf alle Personen zu und die Menge kann beispielsweise abhängig von Vorerkrankungen sein. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie viel Flüssigkeit Sie individuell zu sich nehmen sollten. Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten möglichst keinen Alkohol trinken.
Alkoholische Getränke halten gleich zwei Stolperfallen bereit:

  • Alkohol ist kalorienreich und kann gleichzeitig das Risiko für Unterzuckerung erhöhen.
    - 1 g Alkohol enthält etwa 7 kcal
    - 1 Glas Sekt (0,1 l) enthält 80 kcal
    - 1 Flasche Bier (0,33 l) enthält etwa 129 kcal

  • Einige Diabetesmedikamente können zusammen mit Bewegung die blutzuckersenkende Wirkung von Alkohol verstärken.

Typ-2-Diabetes und Auswirkungen auf die Psyche

Typ-2-Diabetes hat nicht nur Auswirkungen auf den Körper, sondern kann auch die psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Die Kontrolle der Blutzuckerwerte, Müdigkeit und die täglichen Verpflichtungen, die mit einer chronischen Erkrankung einhergehen, können herausfordernd sein. Es ist wichtig, dass Sie geduldig mit sich selbst sind und wissen, an wen Sie sich wenden können, falls Sie Unterstützung benötigen.

Wut, Verdrängung, Angst und Depressionen

Wut, Verdrängung, Angst und Depressionen sind häufige Reaktionen auf die Diagnose Typ-2-Diabetes.

Die Diagnose einer chronischen Erkrankung kann belastend sein und es wird einige Zeit dauern, bis Sie sich an die neuen Routinen gewöhnt haben. In der Zwischenzeit sollten Sie sich selbst gegenüber nachsichtig sein und sich Schritt für Schritt an die neue Situation gewöhnen.

Familie und Freunde

Sprechen Sie mit der Familie oder Freunden über Ihre Gefühle.

Dies kann Ihnen helfen, die Belastung zu verringern und sich schneller an die neuen Routinen zu gewöhnen.

Icon: Informationen aus dem Internet

Der Beitritt zu Selbsthilfegruppen oder Online-Gemeinschaften kann eine zusätzliche Unterstützung auf Ihrem Weg mit Typ-2-Diabetes sein.

Dort können Sie mit Menschen, die selbst Erfahrungen mit der Erkrankung gemacht haben, über Ihre Sorgen sprechen und sich Ratschläge holen.

Depressionen und Angstzustände

Depressionen und Angstzustände sind ernst zu nehmende Erkrankungen, die bei Menschen mit Typ-2-Diabetes häufig auftreten.

Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Sie sich depressiv oder ängstlich fühlen. Sie sollten die Anzeichen für eine Depression jedoch nicht ignorieren, denn Ihre psychische Gesundheit ist äußerst wichtig und spielt eine große Rolle für Ihre Lebensqualität.

Für weitere Informationen oder wenn Sie einfach nur reden möchten, gibt es verschiedene Beratungsstellen, die Ihnen Unterstützung anbieten können.

Zur Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes Landesverband NRW e. V.

icon_wussten_sie_04

Etwa 40 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes haben seit ihrer Diagnose mit ihrem psychischen Wohlbefinden zu kämpfen.1

Behandlungsteam

Ein wichtiger Bestandteil beim Management des Typ-2-Diabetes ist das Behandlungsteam. Es unterstützt Sie dabei, dass Sie Ihr Leben weiterhin so leben können, wie Sie es möchten. Die Unterstützung kann je nach persönlichen Bedürfnissen variieren, umfasst aber im Allgemeinen:

  • Unterstützung und Beratung bei der medizinischen Versorgung

  • Information über Behandlungsmöglichkeiten

  • Bereitstellung von Hilfsmitteln und Ressourcen zur Unterstützung im Alltag

Das Leben mit einer chronischen Erkrankung wie Typ-2-Diabetes kann manchmal schwierig sein. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich in der Kommunikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sicher fühlen. Folgende Tipps können für das Arztgespräch hilfreich sein:

Fragen vor dem Gespräch aufschreiben

Schreiben Sie sich vor dem Gespräch alle Fragen und Themen, über die Sie sprechen möchten, auf.

Über Erfahrungen und Bedenken sprechen

Sprechen Sie ehrlich über Ihre Erfahrungen und Bedenken. Auf diese Weise kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen am besten weiterhelfen.

Begleitung

Bringen Sie jemanden zum Termin mit. Eine zweite Person kann Sie unterstützen und helfen, den Überblick über alle Informationen zu behalten.

Bildausschnitt Ärztin hält Patientin an den Händen

Referenzen

  1. Kalra S et al. Indian J Endocrinol Metab 2018; 22(5): 696–704.

Jobnummer: PC-DE-115264

Materialstand: Mai 2025.